Neues von letztem Monat


Endlich. Die neuen Austauschstudenten sind eingetroffen. An einem sonnigen Mittwoch wurde ihnen zu Ehren ein Barbeque zum Kennenlernen veranstaltet. Das hieß für uns alteingesessene: umsonst essen und trinken, neue Leute kennenlernen und erfahren daherkommen. Ich ging mit der französischen Crew und einer Spanierin zum Exchange Büro und aß und trank. Gloria, die Spanierin, machte mir ein Namensschild das sagte:

Felix

(Germany, but with Spanish heart)

Jeder hatte ein Namensschild und sein Ursprungsland auf dem Schildchen stehen und alle waren freudig erregt. Die Sonne brannte bei angenehmen 33 Grad auf unsere noch nüchternen Häupter; einige waren schüchtern, andere redeten in großen Gruppen oberflächliches Zeug miteinander. Ich war etwas gelangweilt, also beschlossen Chapon und ich mit mindestens 8 Leuten aus 8 verschiedener Nationalitäten ins Gespräch zu kommen. Franzosen bekamen keine Chance Teil eines potentiellen neuen Freudeskreis zu werden – es waren einfach schon zu viele im alten Freundeskreis (übrigens haben sich die ‚alten’ Franzosen zu diesem drastischen Schritt entschieden).

Ich fing an, mir einsame/schüchterne Neuankömmlinge vorzunehmen und erwischte natürlich direkt zwei Franzosen. Nach kurzem Prozess machte ich mich mit Dario aus Hamburg bekannt, der mir nach kurzem Smalltalk erzählte dass er nicht direkt aus Hamburg, sondern aus BUXTEHUDE kommt. Dieser kleine Fakt weckte mein Interesse und wir quatschten ne Weile. Dann ‚traf’ (oder attackierte) ich Javi und Raul aus Espagne, Andrea aus Italien (n Typ!), n paar seltsame Schweden und eine lustige Schwedin namens Karin, dann 4 Japaneserinnen und schließlich redete ich für ca. 30 Minuten mit Duj (wird Dusch ausgesprochen, was im Englischen soviel wie Vollidiot bedeutet – ‚Douchebag’), einem ‚Aussie Mate’, also Ansprechpartner für die Austauschleute.

Es war ein Grillfestchen in Coogee Beach geplant, aber ich konnte Duj überreden, ein paar Exchangies mit in die Unibar zu schleifen – Happy Hour, $2,50 Bier. Wir luden auch unsere neuen Freunde ein und machten uns auf den Weg: ein Aussie Mate, 6 ‚alte’ Austauschstudenten und ca. 20 Neuankömmlinge. Wir waren schon irgendwie stolz auf unsere Errungenschaft, einen Austauschverantwortlichen auf unsere Seite geholt zu haben. Es gab dem ganzen einen halb-offiziellen Touch.

In der Unibar – komm immer noch nicht darüber hinweg, dass es in Berlin keine Uni Bars gibt – wurde dann freudig gebechert und ich traf Tara und drei ihrer Freundinnen. Tara hatte ich im August während einer Privatparty im Shalom College getroffen, also dem jüdischen Wohnheim der Uni. Es gab Alkohol umsonst und Schweinefleisch war verboten. Als ich etwas angetrunken war, hab ich sie auf ihr Locken angesprochen, weil ihre Mähne einfach genial war (ich hab sie gefragt ob die echt sind). Letztendlich waren Luke (mein Mitbewohner), Mario und Tara die letzten Verbliebenen im Partyraum und Mario konnte erfolgreich seine spanische Zunge in Taras serbischer Mundhöhle versenken. Mission accomplished.

Jedenfalls traf ich Tara und bot ihr an, sich an unseren Tisch zu setzen. Die Schwedischen Metrotypen machten sich gleich ans eingemachte und ‚flirteten’, oder versuchten es zumindest. An unserem Tisch saß dann ein lustiger Mix aus Spaniern, Italienern, Australiern, Deutschen, Franzosen, Schweden und Serben, alles zusammen ungefähr 15 Leute. Es war feuchtfröhlich und ausgelassen, doch als die Happy Hour vorbei war, beschlossen wir doch zum offiziellen Barbeque am Strand von Coogee zu gehen.

Um den freudigen Anlass gebührend Feiern zu können, kauften wir ne Kiste Bier und setzten uns – es war mittlerweile dunkel – inmitten eine Gruppe von Skandinaviern, die mit ihrem blonden Haar in der Dunkelheit golden strahlten. Jeder aus der Oldschool Crew war schnell am Lallen und gemeinsam fingen Chapon und ich an, Wildfremde zu der Willkommensparty von Amy, meiner neuen, Mario ablösenden Mitbewohnerin, einzuladen.

Inmitten dieses Neue-Freunde-Kennenlernen-Prozesses, stolperte ich über eine kleine, zierliche Französin, deren Namen ich wieder vergessen habe. Sie spielt Rugby und erklärte mir, dass sie mich unbedingt tackeln wollte. Ich freute mich über ihre unverhohlene Art und ließ mir von ihr Erklären, dass ihre linke Gesichtshälfte angeschwollen ist, weil größere Weiber beim Tackeln immer auf ihr Gesicht fallen. Da nich viele der Anwesenden mir auf Anhieb sympatisch waren, hoffte ich darauf, diese kleine, aggressive und unverschämte Französin an den strengen Freundeskreis-Erweiterungs-Restriktionen vorbei schleusen zu können.

Doch, da war noch Gregoire, einer der ‚alten’ Freunde. Als die kleine Rugbyspielerin zum Toilettchen schwebte, setzte er sich auf ihren leeren Platz und erklärte dem Australier (der seit 2 Stunden mit allem was er hatte versuchte, bei ihr Eindruck zu hinterlassen) dass er, Gregoire, heiß auf die Französin ist und dass es einen Zweikampf um die Gunst der holden Dame geben würde. Gregoire verabschiedete sich mit den Worten:

„Der Kampf hat begonnen. Möge der bessere gewinnen.“

Ich konnte nicht glauben, was da neben mir passierte und schämte mich – obwohl sehr besoffen – etwas fremd. Als Madame Rugby, die Umworbene, schließlich vom Örtchen zurückkehrte, sprang Gregoire zwischen sie und den buhlenden Australier und quatschte etwas auf Französisch. Der Australier setzte sich zu einer anderen Gruppe. Nach nicht mehr als drei Minuten stand die Frau aus Gregoires Träumen auf, und

(Eine der folgenden Aussagen ist wahr, sucht euch eine aus)

a)      Nahm Gregoire an die Hand, schleifte ihn auf den Rasen, sagte ihm, dass er dort warten sollte, nahm Anlauf, und tackelte ihn so hart, dass er sich den Arm auskugelte.

b)      Nahm Gregoire an die Hand, zog ihn hinter sich zur Toilette und gab ihm was er sich erhoffte.

c)      Setzte sich zu dem Australier.

Ich konnte mir das Lachen nicht mehr verkneifen, es war einfach zu herrlich. Dämlicher Versuch, Monsieur Gregoire…

Als alle Austausch-Asis nach Hause gegangen oder weitergezogen waren – es war mittlerweile Mitternacht – saßen Chapon, Lizzie (eine Irin) und ich noch an einem Tisch mit drei Amateur Rugbyspielern, Ruben aus England, Georgie aus den Staaten, und ein Italiener. Gesprächsstoff war Bier, Rugby, Frauen, alles nett verpackt in schönstem, fäkalen Englisch. Nachdem Ruben anfing, sich auszuziehen, beschlossen Lizzie, Chapon und ich, noch zu ihr zu fahren, um etwas „down“ zu kommen.

Wir gesellten uns auf Lizzies Balkon (nach einer lustigen Taxifahrt – selbst in Australien sind die Taxifahrer nicht sicher vor mir) und genossen etwas Provinzielles. Weil wir uns vor lauter scheiße labern das Lachen nicht mehr verkneifen konnten und lauthals losprusteten, hat Lizzie uns dann nach ner halben Stunde rausgeschmissen (ihr Vermieter ist ein Hobbynazi). Im Treppenhaus hab ich dann, glücklich wie ich war, Plastikblumen gesammelt und mit nach Hause genommen.

Geschmückt wie zwei Hula Ischen torkelten Chapon und ich also los, im festen Glauben, auf dem richtigen Weg nach Hause zu sein. Erst als wir ca. ne Stunde gelaufen sind, haben wir bemerkt, dass wir in die falsche Richtung gelaufen waren. Da bereits der nächste Tag dämmerte, waren kaum Autos auf den Straßen, geschweige denn Taxis. Als wir endlich eins sahen, war es auf der anderen Seite der durch eine sehr breite, grüne Mittelinsel geteilten Anzac Parade. Instinktiv nahm ich die Finger zum Mund und pfiff dem Taxi hinterher wie in einem New York Film, und siehe da, das Taxi hielt tatsächlich an. Chapon und ich konntens nicht glauben und rannten kichernd zum Taxi, welches uns sicher nach Hause brachte.

Advertisements

Eine Antwort to “Neues von letztem Monat”

  1. M&M Says:

    bitte, Antwort a)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: