Eigentor


Obwohl ich ja in Australien bin, oder gerade Weil ich hier bin, informiere ich mich immer ein wenig über die politischen Geschehnisse – oder besser politischen Verfehlungen – der geliebten Tigerenten Koalition. Sehr belustigend fand ich die „Hartz IV Debatte“, angestoßen von meiner Lieblingsschwuchtel Guido und fortgeführt von solch bewundernswerten Menschen wie Herrn Diekmann und schockierenderweise auch Herrn di Lorenzo (Mitherausgeber des Tagesspiegel und ZEIT-Chef).

Dann kam jedoch die kleine Meldung, dass Herr Rösler, gelbsüchtiger Pharmaminister, jetzt die Kopfpauschale einführen will, und überhaupt gerne den Pharmamenschen etwas mehr „Freiheit“ beim Abzocken kranker Menschen geben möchte. Natürlich kann man dies nicht mit der Mövenpick-Hotel-Mehrwertsteure-Senkung vergleichen. Kann man eigentlich doch, wie ich finde. Die FDP scheint mir immer mehr wie ein politisches Füllhorn: man gibt ein klein bisschen Spenden hinein und heraus kommen herrlicher Gesetze, wie sie Lobbyverbände selbst nicht besser formulieren könnten.

Doch nun zum eigentlichen Grund, weshalb ich hier über Herrn Rösler schreibe: Gestern nacht habe ich von ihm geträumt, meinem liebsten Pharmalobbyisten, äääh, FDP-Gesundheitsminister (vielleicht würde Krankheitsminister passender sein, an dieser Stelle). Wie auch immer. Ich träumte, dass Herr Rösler vor einer Kommission aussagen musste und zwar darüber, wie Krankenkassen funktionieren. Er kam sofort ins stottern und fing an von Kostensenkung durch Arbeitsteilung mit der Pharmaindustrie zu brabbeln, von Privatisierung, gerechter Kopfpauschale etc. Lobbyistenausschweifungen also.

Dies ging so für gefühlte 15 Minuten, Herr Rösler Angriff als die beste Verteidigung sehend, immerschön kampfeslustig die Fragen attackieren und abschweifen. Er saß auch nicht auf einem Stuhl, sondern rannte hinter einer Reihe von Stühlen auf und ab, in seinem Maßanzug mit Sponsorenstickern der verschiedenen Ihn unterstützenden Unternehmen (wie ein Fußballtrainer): Merck, Sanofi Avantis, Bayer, Roche etc. Gut sah er aus, eloquent und wie geleckt.

Jedenfalls nahm der Herr Rösler dann seine Brille ab, lockerte die gelbe Krawatte, zog sein schwarzes maßgeschneidertes Jackett aus, so wie auch die Hose, das weißes Hemd und seine Calvin Klein Unterwäsche. Er stand nun also nackt, bis auf ein paar graue Businesssocken mit pinkfarbenen Elefanten drauf vor dem Ausschuss und lief auf und ab, wild mit den Händen gestikulierend, sich weiter in wirrem Gefasel verzettelnd. Niemand im Saal schien zu bemerken, dass Herr Rösler nackig war, noch, dass er kompletten Blödsinn brabbelte.

Von den wenigstens grammatikalisch korrekten Sätzen war jetzt auch nichts mehr übrig, es kamen nur noch Brabbellaute aus Herrn Röslers Mund – Gagaahhh, und Buubuh. Unterbrochen nur von einem kleinen Kichern hier und dort, eher ein Glucksen als Lachen. Herr Rösler, nackig, nur mit Elefantensocken geschmückt und die gelbe Krawatte im geleckten Haar sitzen, schrumpfte nun mit jedem Schritt, wurde kleiner und kleiner, bis er schließlich nicht mehr hinter den Sitzen zu erkenn war. Er krabbelte schließlich auf und ab, nichts mehr verblieben von der Eloquenz und Geschmeidigkeit, die gelbe Krawatte verloren, genauso wie die pinken Elefantensocken.

Herr Rösler war ein Baby, das brabbelte und kicherte und mit breitem Babyschmunzeln hin und her krabbelte. Dann kam schließlich ein Sozialarbeiter und nahm sich dem Rösler Baby an. „Scheiß Hartz IV Kinder“, sagte der Sozialarbeiter und hackte dem Rösler Baby mit einem Hackebeil den kleinen Kopf ab. Ich konnte die BILD Schlagzeile wittern: „Grausames Gemetzel im Ausschuss: Hartz IV Verrückter hackt Migranten Kind Kopf ab“.

Der Babykopf rollte mir anschließend vor die Füße.‚Scheiß Kopfpauschale, was, Rösli?’, sagte ich nur beiläufig und schoss ins obere linke Eck der Sportstudio Torwand. Der Jubel war eindeutig auf meiner Seite.

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5 Antworten to “Eigentor”

  1. mutz Says:

    felix for president!?

  2. mutz Says:

    felix for president!?
    welche mutter hegt nicht im geheimen die hoffnung den messias geboren
    zu haben
    bist doch auf dem weg!

  3. M&M Says:

    Du bist ein verrückter Kerl mein Freund!

    Zu Beginn klang’s wirklich seriös.. doch dann hast du’s wieder versaut…:-)
    ..“alles was du machst wird zu scheiße“..

    hehe..Martin

    p.s. hat er aber nicht auch die preise für medikamente drücken wollen…?

  4. pepe Says:

    Ja, klar. Mit einer kleinen Klausel, die Pharmaunternehmen Monopolpreise garantiert für ein Jahr .
    Danach, falls es keine Lösung gibt, legt eine „Schlichtungs-Kommission“ den Preis fest (was für Leute wohl in diesen Kommissionen sitzen?)

  5. Tati Says:

    Immer diese Verschwörungstheorien…. 😉

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