Beflügelndes Theater (oder: Warum ich kein Vogel sein möchte 2)


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So. Nach langem Warten nun wieder ein kleines, kurzes, konfuses Lebenszeichen von mir. Aufgrund von exzessiven Aufsatzdrucks, hardcore Procrastinations-Attacken, und dem Einsetzen des australischen Sommers war ich leider gezwungen, die Tastur in Sachen Blog etwas zu ignorieren. Das hat jetz (leider, leider) noch kein endgültiges Ende, da immernoch ein Aufsatz fällig ist (bislang 2 Wochen Verspätung, Countdown läuft wie bei Jack Bauer in „24“) und ich mir wegen akuter Geldsorgen einen netten, leichten, unterbezahlten Kellnerjob suchen muss. Aber, alles Warten wird schlussendlich ein Ende haben werden – in naher Zukunft.

Schluß jetz mit der grammatikalischen Vergewaltigung deutscher Sprache; ran an Speck.

In meiner Abwesenheit ist so einiges geschehen, was ich selbst noch aufarbeiten muss, eine ausführliche Darstellung des erlebten (und mir am nächsten Tag erzählten) muss ich verschieben. Wie die Spanier, von denen ich hier umzingelt bin so schön zu sagen pflegen: Manana, Manana!!!

Aber, ich würde nich felix heißen wenn ich euch nich ein kleines äußerst schmackhaftes (vielleicht nich geschmackvolles) Kleinod anbieten würde. Die Geschichte geht so:

Heute morgen ging ich zum Strand, ließ den Laptop links liegen (und den fälligen Aufsatz), setzte mich zu einer Engländerin und einer Spanierin, die (wie ca. 60% der Weibchen am Strand) oben ohne die Sonne genossen. Da es unfair und unhöflich gewesen wäre, es nicht zu tun, hab ich meine kleinen Tittchen auch ausgepackt und mich mit Sonnenschutzfaktor 30+ eingecremt & eincremen lassen. Die heißen, begierigen Blicke der weiblichen Strandschönheiten auf meinen wohlgeformten, sonnengebadeten und äußerst muskulösen Prachtkörper nahm ich mit lässiger Missachtung war. Ich spannte hier und da meinen Bi- sowie Trizeps an und konnte das Stöhnen förmlich hören. Wie ein Summen verfiel der Strand in freudige Erregung beim Anblick meines Tarzan²-Körpers.

Göttlich, einfach göttlich.

Mit diesem Gefühl im Magen schaute ich verachtend die Steroid-Müllkippen von Körpern der restlichen männlichen Drohnen um mich herum an und ging gemächlich, locker, ja lässig dem Wasser entgegen. Es war Flut, die Wellen waren für meinen angstverachtenden Geschmack mädchenhaft klein, das Wasser weiß vom tobenden Schaum und grün und braun vom aufgewirbelten Seegraß. Schade, dass man das nicht rauchen kann. Lässig und mit einem göttlichen Gefühl von Überlegenheit lief ich gemächlich ins Wasser. Ohne mich umzuschauen konnte ich die Anspannung des Strandpublikums spüren, gespannt darauf wartend, wie das Sexsymbol aus Berlin (ehem. West) sich den Ozean und die Wellen Untertan machen würde. Ich schwebte, ich glühte, ich dampfte. Ich schwitzte Sexappeal, roch das Verlangen der willigen Strandweibchen, spürte ihre harten Nippel im Sommerwind.

Die erste Welle erwischte mich so hart, dass ich nicht nur fast meine Badehose verlor, sondern mit dem Gesicht ca. fünf Meter den Sandboden entlangschupperte. Wie in einer Boschwaschmaschine aus den 60er Jahren wurde ich umhergeschleudert, bei gefühlten 10.000 Umdrehungen pro Minute. Das dabei geschluckte Wasser kotzte ich förmlich aus, die Schürfwunden an Arsch, Rücken und im Gesicht begannen zu bluten und brannten im salzigen Wasser. Ja, ich liebe es hart! Genau wie die Oberfläche meines Körpers (ca. 30% meiner Haut) war auch mein majestätisches, mannhaftes Ego nur oberflächlich angekratzt. Ich wagte es erneut, stürzte mich in den Krieg zwischen Fleisch und Wasser, diesmal meine sexy babyblaue Badehose kramphaft festhaltend. Etwas glibbriges grün-braunes umarmte mein linkes Bein und ließ sich nicht abwimmeln. Ich wollte wie ein kleines Mädchen mit zwei rosa Zopfgummis im Haar und Pipi Langstrumpf Zöpfen kreischen, doch ich besann mich meiner  Strand-Sexsymbol-Körperhedonistenrolle und versteckte meinen Ekel mitsamt meinem Körper unter der Wasseroberfläche.

Nach einigen weiteren Wellenvergewaltigungen schlenderte ich gekonnt lässig (und oberflächlich blutend) aus dem Wasser, legte mich auf mein Macho-Handtuch und versuchte meinen Körper mittels von der absenten Ozonschicht ungefilterten UV-A und UV-B Strahlen weiter zu einem gold-braunen Dachpappenteint zu rösten. Meine mitteleuropäische Schneeflöckchenhaut ist belastungsfähiger als die der meisten Angelsachsen und verfärbt sich nur in ein leichtes smaragdrot anstatt die Farbe eines kreischenden Hummers in kochendem Wasser anzunehmen. Das Resultat des waghalsigen, männlichen, heldenhaften Strotzens gegen den Hautkrebs wird morgen dann wahrscheinlich in Din-A4 großen Hautfetzen auf meinem Bettlaken zu finden sein. Wie sagte eins ein großer Mann: ISterben muss jeder. Und wenn, dann lieber an Haut- als an Lungenkrebs.

Als eine gewaltige Gewitterfront von Westen her aufzog und glimmernde Lichtbögen auf die Erde schickte, rief der Bademeister in sein Mikrofon, dass es besser wäre, den Strand zu verlassen. Elektrosturm nannte er es. Ich lachte dem Schicksal ins Gesicht und blieb bis zum bitteren Ende, bis der Wind so stark wurde, dass ich meine filigranen Künstlerhände inmitten des umherwirbelnden Sandes nicht mehr sehen konnte. Ich strotze der neuen Naturgewalt. Lawrence von Arabien war ein Witz, gegen mich.

Ich musste kacken. Deshalb ging ich zur öffentlichen Toilette und vollzog das öffentliche Toilettensitz oberflächlich reinigen Ritual:

1: Mit Klopapier den Sitz abwischen.

2: Den Sitz mit Klopapierlagen bedecken.

3: Vorsichtig den blanken, schneeweißen Arsch auf den nun flauschigen Sitz herablassen, ohne dabei eine entblöste Toilettensitzstelle zu berühren.

4: Ein deutsches Magazin (links, linker, Konkret) auspacken und vorfreudig auf den Abgang der Hauptfigur des dritten Aktes warten.

Inmitten der privaten Sitzung hörte ich ein seltsames Fiepen. Zuerst dachte ich an Ratten, doch es stellte sich heraus, das ein kleiner Piepmatz auf einem der Dachbalken ca. anderthalb Meter über meinem Kopf zu mir herunterschaute. Er war der einzige Zuschauer des Scheißtheaters. Als ob er mir zujubelte, mich ermutigte, mich unterstützen wollte, zwitscherte mir ab und zu ein paar Noten entgegen, applaudierte der Darbietung deutscher Dichtkunst. Er beobachtete genau, was sich dort auf der Klositzbühne abspielte, neigte den Kopf andächtig von Seite zu Seite, piepste Mal vergnügt, mal erschrocken und verdutzt. Ich bekam etwas Lampenfieber ob meines unerwarteten Publikums und verplätscherte mich in ein, zwei Szenen. Der beflügelte Theaterkritiker ließ sich nichts anmerken und erwartete voller Spannung das plötzlich plumpsende Ende.

Plumps.

Tadaaaaa!

Lautes Gefiepe und Gezwitscher bestätigte mich in meiner Darbietung, ich wischte mir die Freudentränen vom Arsch und kleidete mich wieder an. Dann spülte ich die ganze Anspannung hinunter und verließ den Schauplatz durch den Haupteingang. Mein kleiner Piepmatzfreund flog frohmütig herum als ich den Saal der Freuden verließ, jubelnd, applaudierend, frohen Mutes, und wir beide verabschiedeten uns mit einer neuen, belebenden Leichtigkeit.

Manchmal muss man der ganzen Scheiße halt einfach freien Lauf lassen.

P

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3 Antworten to “Beflügelndes Theater (oder: Warum ich kein Vogel sein möchte 2)”

  1. FabiAnus Says:

    Wurde ja auch mal wieder zeit xD 😀 wieder mal zu geil aber auch zu kurz 😀 ich will mehr!

  2. nicki Says:

    hahaha aber sonst gehts dir gut? sogar spass am scheissen ^^ is ja unglaublich!

  3. M&M Says:

    Du hast beide Male wahre Männlichkeit bewiesen..wieter so

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