Seuchen, kleine grüne Bällchen und alte Gewohnheiten


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Sitz grad inna unibibliothek und neben mir sitzt son bescheuerter deutscher, der seit 15min seine beknackte freundin fragt, ob sie ihn sieht oder versteht oder spürt oder watt auch immer… er will einfach nich wahrhaben dass sein scheiß skype nich funktioniert, dieset TOY…„siehst du mich jetz?“, „verstehst du mich?“, „bist du noch da?“ und das alles in 10 sekunden abständen…. beeeelaaaastend. Ich würd ihm vielleicht sogar in Rücken schießen, wenn ich ne Knarre hätte, so wie es nem Typen hier ergangen ist – in der gleichen Straße wo ich mir 2,5 Stunden vorher ne Wohnung angeguckt habe. Rough, baby, Rough.

Doch Schusswaffen sind nicht das einzig lebensgefährliche hier in Sydney (mal abgesehen von dem ganzen tödlichen Krabbel-, Kriech- und Schwimmzeugs). Wir wissen ja alle, dass seit einiger Zeit die Gefahr einer Schweinegrippe-Pandemie besteht, die jegliches Leben auf der Erde, in unserem Sonnensystem und im ganzen Universum auszulöschen droht und nur mithilfe eines Mittelchens bekämpft werden kann: Tamiflu (welches nur innerhalb der ersten 48 std. einer Infektion hilft…). Wir wissen auch, dass jedes Jahr ca. 15.000 Menschen in Deutschland an Grippe sterben, und zwar an der ganz normalen. Was ich bis vor kurzem noch nicht wusste, ist, dass die Zahl von Schweinegrippeinfizierten hier in den letzten Wochen extrem nach oben geschnellt ist und dass ich jetzt vier Menschen kenne die entweder selbst Schweinegrippe hatten oder „engen Kontakt“ mit Menschen mit Schweinegrippe pflegten (jaman, palimpalim). Zur ersten Gruppe gehören eine Engländerin und ein Chileanese (n Typ aus Chile halt…), der meinte, dass Schweinegrippe langweilig sei und es ihm nur 3 Tage dreckig ging und er Tamiflu nehmen musste. Die Engländerin war zu spät zum Arzt gegangen, sodass ihr Tamiflu nicht helfen konnte – und auch nicht musste: Sie hat sich selbst geheilt. Auch nett sind die mit Atemschutzmasken bewaffneten Gestalten, die schwerst-hustend über den Campus schlendern, jederzeit im Begriff, Millionen und Abermillionen von Menschen zu infizieren. Wow, Schweinegrippezombies hat ich hier nich erwartet. In der Uni hängen auch überall solche lustigen Plakate rum, die einen zum zuhausebleiben ermutigen, wenn man Symptome hat;

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und heute hab ich ne email von der uni bekommen, wo drin steht dass wenn man chronische Krankheiten hat (oder Aboriginal ist) man doppelt auf sich aufpassen muss. Tja, Aboriginals haben immer noch eine um 20 Jahre geringere Lebenserwartung als die weiße „Herrenrasse“. Soviel zum Thema Gleichberechtigung.

Bin aber schon n bisschen enttäuscht, dass ich wenn ich schonma mit nem „Killervirus“ in Berührung komme, erfahren muss, dass dit nur ne bescheuerte Grippe ist und man nicht aus der Haut blutet oder sich von innen heraus auflöst oder so. Und, dass der Hersteller von Tamiflu, Roche Inc., n satten Aktienkursanstieg verzeichnete, als von einer Milliarde elendig an Schweinegrippe verreckter Mexikaner die Rede war, fand ich dann auch etwas lustig. Seltsam nur, dass die Toten in Mexiko im Nachhinein weniger geworden sind.

Oink Oink, sag ick da nur, Schweinegrippe is ne Sissy-Seuche.

So, dann war ick am Manly Beach mit den janzen anderen Exchangestudenten und Lisa, mit der ich mich anna Fähre getroffen habe. P1010272

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Manly war super, Wetter war kacke, Essen war fetthaltig (fish-n-chips). Die Wandertour haben wir Chiller natürlich nichmehr mitgemacht, sondern sind ins Hostel gefahren, wo es was gesundes zu essen (Lisa hat gekocht) und alkoholhaltiges zu trinken gab, bis der Analpeter von Nachtwächter mich als Nichtgast ausm Hostel geschmissen hat. Also, Taxi nach Hause, wiederma 25 dollars verbraten, die mir auch noch zu allem Übel von einem Ex-Bänker, Jetzt-Taxifahrer abgezogen wurden. Kriegen den Hals nich voll, diese Pisser, ääääh Bänker. Jedenfalls wurde er wegen der „Rezession“ gefeuert und hat seinen 60.000 $ (jährlich) Bankarbeitsplatz gegen einen Abzock-Taxi-Job eintauschen müssen. Tja, es trifft halt immer die kleinen, in diesem Fall, den kleinen Ex-Bänker, und den kleinen Fefe. Weil er mir so unendlich leid tat, der arme Bänker, hab ich es Vater Staat gleich getan und ihm n Konjunkturpaket gegeben – 1$ – über das er sich nicht sonderlich gefreut zu haben scheint. Ich habe mir auch hier ein Beispiel an Vater Staat genommen und keine Gegenleistung für meine aufopferungsvolle Geste erwartet. Im Hostel angekommen war mir dann langweilig und ich bin noch kurz umme Ecke inne „Sportsbar“ gedackelt, wo ich mir für gefühlte 1.000$ n Bier gönnte und den mir noch immer unverständlichen Sport namens Cricket inna Glotze anguckte. Wer 3 Tage für ein Spiel mit Ball und drei Stöckchen inna Erde braucht, kann nich ganz dicht sein… Völlig im Arsch gings dann an Strand und in meiner dem Alkohol geschuldeten geistigen Umnachtung etwas zu nah ans tobende Meer, welches meine Dummheit mit ’nem nassen Arsch bestrafte. Die seltsamen Blicke der vor McDonalds stehenden Menschen missachtend, ging ick dann schlafen (dit Hostel is direkt über nem Mackes – aber ich hab erst einen cheeseburger gegessen….naja, zwei……ok drei……..).

Tags darauf begab ich mich in die Uni, um endlich in allen Kursen die ich machen muss/soll/kann/darf eingeschrieben zu werden, was nach anfänglichen Schwierigkeiten dann auch 1A geklappt hat und von der Sacharbeiterin und mir mit ’nem „high ten“ gefeiert wurde. YES SIR.

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Damit war die erste Hürde genommen. Auch n Studentenausweis mit nem unglaublich schönen Foto von mir hab ick bekommen, in Kreditkartenformat mit RFID Chip, damit man immer weiß wo ich bin (wer will dit schon wissen? Die SiEiÄi?). Auch das uni-interne Internet darf ich jetzt benutzen, wobei ich schone ne email vom „Director of IT Services“ bekam, in der stand, dass wenn ich illegal downloade, die Uni mir 1000$ abzockt, weil die arme Musikindustrie sonst Pleite geht. Lang lebe die „Freie“ Marktwirtschaft, Demokratie, und unser Rechtsverständnis.

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Auf dem doch sehr schnieken Campus hab ich dann auch einen kleinen grünen „stress-ball“ bekommen, den ich ordentlich durchgeknetet habe als es Probleme mit den Kursen gab und ich ca. 4 Stunden darauf warten musste, mit der einzigen für Austauschstudenten Zuständigen zu reden (wir sind ca. 300 Austausch-Asis…). Jedenfalls haben Mario und ich (einer meiner zukünftigen Mitbewohner) jetzt 5 von den Dingern und spielen damit Fußball. Und ich nehm immer einen mit, falls ich ma n Stressanfall kriege, oder heimweh oder sowa (Außerdem steht da „LIVE IT“ drauf, was ich übelst geil finde und mir gleich zu Herzen genommen habe)

JA, auch ich habe Gefühle, du ARSCH 😉

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Abends gings dann inne Stadt, Lisas letzte Nacht in Aussieland. Nachdem wir uns ordnungsgemäß im Hostel warmgesoffen hatten und einige nichtsahnende große Brüder und Freunde auf Stasi VZ, genervt hatten, jing et innen Club inna Stadt. Ivy hieß dit Teil, so wie die Ivy-League in den Staaten, also die Elite Unis. Bevor wir jedoch dort ankamen mussten wir noch einige Zwischenstopps bei diversen alkohol-ausschenkenden Etablissements machen, um den gewünschten Pegel aufrecht zu erhalten. Jedenfalls sind wir nach einigem hin und her also in dieses „Elite-Teil“ gegangen und da ich mit zwei blonden, blauäugigen, deutschen Mädchen unterwegs war, bin ick sogar ohne Probleme eingelassen worden, in den Tempel der elitären Dekadenz. Herrlich. Drinnen angekommen war ich erstmal erstaunt und ob der RnB Mukke entsetzt; aber, wie gesagt, ick hatte einen im Dach und wollte Dänzen gehen. Also, ab aufn Dänzfloor wo ich meine dänzing-skills ausgepackt habe und irgendwann ermahnt wurde, doch bitte von der Bank runterzukommen und mein T-Shirt wieder anzuziehen. Einzig der schwule Barkeeper schiens cool zu finden, wie ich mir an den Nippeln gespielt hab – er hat jedenfalls immer so süß rübergelächelt. Dann irgendwann war Feierabend, weil in Sydney is ab 4 Sperrstunde, und wir sind Richtung nachhause getorkelt. Bei McDonalds hab ick dann noch ne Coke umgeschmissen, und Lisa hat ne Tüte mit Burger & Pommes an der Kasse „gefunden“. Da Lisa innem Hostel im Zentrum gewohnt hat, musste ich den Rest des Weges nach Coogee Beach alleine bestreiten, was damit anfing, dass ich um 5.30 morgens ne halbe Stunde auf den Bus warten musste. Als er dann endlich kam, bin ich natürlich sofort eingepennt und erst an der Endhaltestelle unsanft vom Busfahrer geweckt worden, mit den (schlecht übersetzten) Worten: „EEEEEh, du penner, raus hier, endhaltestelle“. EIN GLÜCK, war die Endhaltestelle Coogee Beach und nich Hennigsdorf, wo ich ja auch schonma aufn Sonntagmorgen aufgewacht bin…damals noch in der Stadt der Städte.

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Nach 4 Stunden Schlaf (davon ne halbe Stunde im Bus) hab ick dann Lisa zum Flughafen gebracht. Der Fahrer vom Shuttlebus sah aus wie Danny DeVito und is auch gelaufen wie son mini-muruk. Anfangs hatte er noch ne sehr stylische G-Unit Jacke an, die er am Flughafen dann gegen eine offiziellere Busfahreruniform getauscht hat. Auf dem Weg zum Flughafen hat der typ an jedem verfickten Hotel in Sydney gehalten hat weshalb wir ca. drei Tagesmärsche zum flughafen gebraucht haben. Nachdem wir uns zum einchecken an die 500 Mann (und Frau) starke Schlange gestellt hatten, hieß es: „Qantas flight 1 is verspätet und fliegt erst um halb neun“. Geil, 3 Stunden warten. Ging aber schnell rum die Zeit mit dem überaus großzügigen Gutschein von 20$ (woow) den Lisa von Qantas zum Essen gekriegt hatte. Als Lisle dann weg war, dacht ich mir ich nehm ma gechillt nen Linienbus zurück.

Nur, es kam irgendwie keiner.

Der erste fiel aus, der zweite fiel aus und als der dritte nich kam, hab ich dann völlig entnervt beschlossen ein Taxi zu nehmen. Mein Taxifahrer diesmal war ein sehr cooler Afghane so um die 55. Der hatte 12 Jahre lang deutsch in Afghanistan gelernt bis die Russen eingeritten sind. Gegen die hat er dann 12 Jahre in den Bergen gekämpft, nachdem sie sein Dorf ausgelöscht haben, inklusive Eseln, Ziegen und alten Leuten, die nicht flüchten konnten. Er war auch so freundlich und hat die Taxiuhr bei 35$ ausgeschaltet und mich trotzdem nach Hause gefahren, weil er meinte, Studenten findet er geil. Außerdem hatte er 12 Brüder, die alle von Gott gesandt wurden, um jegliche Männchen der menschlichen Gattung in „Felix“ umzubenennen, was leider am Monsunregen in Südost-Vietnam gescheitert ist ( iss ne lange geschichte ;-). Der einzig Überlebende hat dann den Zug nach Wladiwostok an der russischen Ostküste genommen und is per Anhalter über das japanische Meer nach Shanghai gereist. Dort hat er von der göttlichen Geburt eines Regenwurms in Kladow bei Berlin erfahren und ist direkt nach Oberschweineöde gereist, um die drei Sterne zu beobachten, die das Wunder verkündeten. Die ganzen Studenten die hier durch die Gegend laufen lenken mich ein bisschen ab, deshalb werde ich mir jetzt meine Handschuhe anziehen, aufhören euch zu verwirren und mich auf den Weg ins gelibte Hostel machen.

Holla, die Waldfee, bis zum nächsten Mal.

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NanuNana

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HalloHallooohooHallöööööchen

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D-D-D-Der DAAAAUUUSSS

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Maaaaaaaaaaaaaaaaarjon

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P

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3 Antworten to “Seuchen, kleine grüne Bällchen und alte Gewohnheiten”

  1. M&M Says:

    du bist verrückt!!! hdl, miri

  2. M&M Says:

    ach so und danke, jetzt hab ich keinen schiss mehr vor der schweinegrippe… is ja nur ne sissyseuche!!!!
    miri

  3. mutz Says:

    mein gott, kind!!
    hdl

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